Folgende Rezensionen geben einen kurzen Abriss über eine Auswahl der von uns verwendeten Literaturquellen. Aufgeführt sind an dieser Stelle nur “echte”, also gedruckte Bücher. Online auffindbare Quellen sind unter Quellen verlinkt.

Chronicles of the Vikings

Was wissen wir über die Wikinger aus historischen (also schrifltichen, nicht archäologischen) Quellen? Wie sahen sie sich selbst, wie sahen sie andere?

Rezension

Ein Sachbuch ohne schicke Bilderchen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Büchern über Wikinger ist dieses Werk rein historischer Natur, d.h. es werden nur schriftliche Quellen behandelt. Der Anspruch des Autors war, möglichst nur Quellen aus der Wikingerzeit selbst zu nutzen. Neben den Schriftwerken von Zeitzeugen nicht-skandinavischer/nordischer Herkunft werden daher viele Texte von Runensteinen herangezogen sowie skaldische Verse, die zu späterer Zeit zitiert, dennoch in die Wikingerzeit eingeordnet wurden. Nur ausnahmsweise werden spätere Quellen verwendet, die Isländischen Sagas werden nahezu vollkommen gemieden.

Der Autor macht keinen Hehl daraus, dass es schwierig ist, die Quellen zu übersetzen und zu interpretieren, und erklärt deutlich, wann Vorsicht angebracht ist oder wann es sich bei seiner Darstellung um eine umstrittene handelt. Am Anfang des Buches wird auf die Probleme, auf die Archäologen und Historiker bei der Auswertung der Schriftfunde stoßen, eingegangen. Dies beinhaltet zum einen die Variabilität der Runenschrift und des Altnordischen mit seinen Dialekten, zum anderen die Schwierigkeit, skaldische Quellen im richtigen Kontext zu sehen. Denn welche Metaphern der Mensch von damals mit Selbstverständlichkeit erkannte, ist für uns heute alles andere als einfach.

Die Kapitel sind nach Inhalt der Quellen strukturiert, nicht nach ihrer Art. Schriften auf Runensteinen begegnen dem Leser somit häufiger, und auch Auszüge aus dem Hávamál werden zum immer wiederkehrenden Bekannten. Diese Strukturierung eignet das Buch gut zum Nachschlagen. Wie war das zum Beispiel noch gleich mit dem Landbesitz, was für Möglichkeiten der Landzuweisung gab es in einem unbesiedelten Gebiet (Paradebeispiel: Island), wie waren die Unterschiede diesbezüglich bei Mann und Frau? Das entsprechende Kapitel gibt Antwort, man muss nicht erst das halbe Landnámabók durchblättern, bis man an einer passenden Stelle ist.

Wer beim Lesen dieses Buches allerdings nach kurzen Zusammenfassungen der Kernaussage einer Quelle sucht, wird enttäuscht. Der für das Kapitel wichtige Auszug einer Quelle wird, ins Englische übersetzt, zitiert und kurz kommentiert. Der Kommentar muss sich aber nicht zwangsweise auf den Inhalt beziehen, manchmal werden lediglich die Form oder Probleme der Interpretation oder Übersetzung kommentiert. Ein großer Pluspunkt für jene, die sich trauen, ihre eigenen Schlüsse aus den Quellen zu ziehen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es sich um ein sehr informationsreiches (und -dichtes), lohnenswertes Buch handelt, was aber keinesfalls für leichte Lektüre gehalten werden sollte. Wer glaubte, dass sich zeitgenössische schriftliche Quellen der Wikinger größtenteils auf ein paar Runenritzereien beschränkten, wird hier eines besseren belehrt.


The Sagas of Icelanders

Eine Auswahl diverser isländischer Sagas. Auch wenn diese erst ab dem 13. JH aufgeschrieben wurden, so geben sie doch wichtige Einsichten in die Lebensweise der frühen Besiedler Islands.

Rezension

Die Sagas und Erzählungen (10 Sagas und 6 Erzählungen (þættir)) in dieser Sammlung wurden bewusst so ausgewählt, dass ein guter Überblick über ihre Diversität gegeben ist. Die Texte wurden so übersetzt, dass die englische Version möglichst korrekt und zugleich gut lesbar ist. Weil sich Isländisch und Englisch in einigen grammatikalischen Aspekten unterscheiden, mussten einige Kompromisse zugusten letzterem gemacht werden. So sind in den alten Texten variierende Ortnamen standardisiert worden; wenn keine moderne Form eines Ortsnamen vorhanden war, wurde dieser übersetzt. Spitznamen wurden, wenn möglich, ebenfalls ins Englische übersetzt.

Im Isländischen werden, anders als z.B. im Deutschen, auch Eigennamen dekliniert, wobei die gebeugte Form sich sehr stark von der ungebeugten Stammform unterscheiden kann. Um unnötige Verwirrungen zu vermeiden, wurde die Stammform beibehalten (Ausnahme: Plural-Endung "-stadir" in Ortsnamen). Ein, nach persönlicher Auffassung, bedauerlicher Nachteil dieser grammatikalischen Anpassungen ist die bewusst gewählte abweichende Schreibweise; Sonderzeichen werden durch das nächste englische Äquivalent ersetzt (z.B. ð=d, á=a, þ=th, ö=o). Dadurch verändert sich nicht nur die Aussprache, es geht beim Lesen auch ein wenig "Atmosphäre" verloren.

Im Vorwort werden die wichtigsten Besonderheiten der Isländischen Sagas beschrieben. Sie werden zeitgenössischer Literatur Kontinentaleuropas, welche eher in Versform verfasst wurde und eine andere gesellschaftliche Schicht in den Hauptrollen nutzte, gegenübergestellt und der vergleichsweise "nüchterne" Schreibstil kommentiert. Es wird weiterhin betont, dass es innerhalb der verschiedenen Sagas keine echten "Meisterwerke" gäbe, die sich von den anderen besonders absetzten, da sie, obgleich von verschiedenen Autoren verfasst, alle eng miteinander verwandt sind. Charakteristika typischer Roman-Literatur, wie sie erst viele Jahrhunderte später aufkam, können in den Isländischen Sagas wiedergefunden werden.

Die Einleitung versorgt einen dann mit sehr vielen Informationen rund um die Sagas und die Welt, in der sie spielen. Zunächst werden die Eckpfeiler der Wikingerzeit sowie die geographischen Ausmaße der nordischen Expansion in wenigen Abschnitten zusammengefasst. Die Folgen der Christianisierung werden hier vor allem im Hinblick auf die literarische Entwicklung beschrieben.

Als nächstes wird der Erzählstil mittelalterlicher isländischer Literatur genauer erläutert. Dieser Teil umfasst die Unterschiede zwischen Sagas, Epen (Sg.: Epos) und Romance; die verschiedenen Arten isländischer Sagas; die Unterschiede zwischen sögur und þættir (Erzählungen, Sg.: þáttur); die literarischen Eigenschaften der Edda als weiteres Beispiel mittelalterlicher isländischer Literatur sowie andere, weniger bekannte Beispiele.

Spezielle rhetorische Mittel zur Authentifizierung der Sagas als historische Geschichten (d.h. echte historische Ereignisse behandelnd) und die Rolle der Skaldik in den Sagas ist der nächste Themenpunkt, gefolgt von einigen Extra-Bemerkungen zu jenen Sagas, die von der Entdeckung Nordamerikas berichten.

Die Funktion typischer Elemente wie die (oftmals komplizierten) Verwandtschaftsbeziehungen, die klassische und recht einheitliche Form der Einleitungen und die inhaltliche Struktur werden analysiert und der Informationsumfang zum Island zur "Saga-Zeit" und seinen gesellschaftlichen Strukturen geprüft. Außerdem wird ein Blick auf die religiös-mythischen Elemente geworfen.

Nicht zuletzt werden die Sagas auch im Kontext ihrer Entstehungszeit betrachtet.

Jede Saga beginnt mit einer kurzen Einleitung, viele mit einer Karte, welche die Umgebung, in der sich die Handlung abspielt, darstellt. Zu den größeren Sagas sind Stammbäume vorhanden, die es erleichtern, bei den vielen Charakteren mit ähnlichen Namen den Überblick zu behalten. Die Erzählungen (þættir) sind nicht mit diesen Extras versehen.

Der Referenzen-Teil am Ende des Buches beglückt einen mit einer Liste der Könige Norwegens, Dänemarks und Englands (inklusive der Jahre ihrer Herrschaft), weiterer historischer Ereignisse, die mit den Sagas verknüpft sind sowie den Gesetzessprechern Islands bis zum Ende der Wikingerzeit. Weitere Kurztexte informieren über verschiedene Arten von Wikingerschiffen, den typischen Aufbau eines frühen isländischen Hofes, die sozialen und politischen Strukturen Islands zur Wikingerzeit und alt-isländische Namen verschiedener Monate und Tagezeiten. Das Buch schließt mit einem umfangreichen Glossar.

Wegen der Auswahl der Sagas und Erzählungen und vor allem wegen der umfangreichen Hintergrundinformationen eignet sich dieses Werk sehr gut als Einstieg in das Thema "Isländische Sagas". Doch auch wenn es als "Taschenbuch" gedruckt ist, eignet es sich mit seinen fast 350 Seiten nur bedingt zum Mitnehmen in der Tasche - eher zum Schmökern auf der Couch.


Viking Art

Die (Vor-)Geschichte der wikingischen Kunst. Die Entwicklung, Zusammenhänge und definierenden Eigenschaften der verschiedenen Stile im Laufe der Zeit.

Rezension

Für die Leute unter euch, die schon immer stirnrunzelnd an den Ständen standen und nicht wussten, wie sehr die Silber- oder Bronzespange da nun zur Darstellung passt oder nicht, ist dieses Buch quasi ideal.

Es geht zu Anfang grob auf die Wikingerzeit und das Ausmaß des ,,Nordischen Reiches” - also dem Expansionsgebiet der Nordmenschen - ein, um den Kontext zu schaffen. Anschließend werden Oseberg-, Borre-, Jellinge-, Mammen-, Ringerike- und Urnes-Stil exemplarisch erklärt und mit ihren jeweiligen Vorgängern und Nachfolgern verglichen. Im Abschluss wird die Bedeutung der Kunststile, was sie aussagen, warum sie möglicherweise wo angewendet wurden und wie sie sich mit stärker werdender Dominanz des Christentums verliefen, erklärt.

Besonderes Feature dieses Buches ist, dass die oft kompliziert verschlungenen Muster neben den Fotos der Fundstücke nochmal als Zeichnungen übersichtlicher dargestellt werden.

Dieses übersichtliche Werk ist für jeden nahezu ein Muss, der nicht mit 11. Jhd. Stickereien auf dem Mantel rumlaufen will, obwohl die Darstellung doch eher Richtung 9./10. Jhd. geht.


Viking Clothing

Aktueller Wissensstand zu der wikingischen Kleidung, mit Blick auf die Vorgeschichte, Verbreitung und Herstellungsweise.

Rezension

Dieses Buch betrachtet die wikingerzeitliche Kleidung von ihren Ursprüngen an. In der Einleitung wird beschrieben, warum Kleidung auch damals schon ein wichtiges Thema war und wo sie an die Grenzen der Praktikabilität stieß. Die Problematik des Studiums von Kleidungsstücken aus dieser Zeit wird betrachtet und die wichtigsten Forscher und ihre Auffassungen zu diesem Thema vorgestellt.

In den folgenden zwei Kapiteln wird die Kleidung der Frau bzw. des Mannes von ihren vorwikingerzeitlichen Ursprüngen an behandelt und die wichtigsten Fundstücke beschrieben. Es folgt ein Kapitel zu den verwendeten Stoffen und deren Herstellungsweise. Schließlich beleuchtet der Autor die Bedeutung des äußerlichen Erscheinungsbildes in der damaligen Gesellschaft im Detail.

Das Buch ist ein hervorragender Einstieg in das Thema. Es stellt sowohl ein gutes Nachschlagewerk als auch eine Orientierung für weitere Recherche dar. Da nicht ausschließlich die Wikingerzeit, sondern auch die Jahrhunderte zuvor und einflussreiche, nicht nordische Kulturen erwähnt werden, kann sich der Leser ein differenziertes Bild im weiteren Kontext machen.

Es sind viele hilfreiche Abbildungen vorhanden, von denen zum Teil mit etwas Geschick einfache Schnittmuster hergeleitet werden können. Dieses Buch ist jedoch keine Schnittmustersammlung. Wer nach einer einfachen Anleitung zum Schneidern von Wikingerkleidung sucht, sollte auf andere Bücher mit diesem Anspruch zurückgreifen. ,,Viking Clothing” hat zum Ziel, den theoretischen Hintergrund zu schaffen. Damit der Re-enactor weiß, warum er das trägt, was er trägt.


Women in the Viking Age

(Dar-)Stellung der weiblichen Bevölkerung des Nordens während der Wikingerzeit unter Rücksichtnahme verschiedener Quellenarten

Rezension

Jesch widment sich in diesem Buch ausschließlich der weiblichen Bevölkerung der Wikingerzeit. Die Kapitel sind nach Art der genutzten Quelle aufgeteilt: Archäologische Beweise, Runeninschriften, Hinweise auf Frauen auf den Britischen Inseln durch Ortsnamen/Hinweise auf Frauen bei der Besiedlung Islands, historische Quellen zeitgenössicher nicht-Nordmenschen, Kunst/Mythologie/Poesie, Berichte über ,,Kriegrinnen” und die Darstellung der Frau in den isländischen Sagas.

Das Buch ist bewusst so geschrieben, dass es für Neulinge zum Thema ,,Wikinger” zugänglich ist. Es wird in jedem neuen Kapitel sehr viel Platz auf die Erklärung der Art und Vor- und Nachteile der behandelten Quelle verwendet. Grundsätzlich durchaus angebracht, wirkt es an mancher Stelle so, als diente die ausführliche Diskussion zum Quellentyp als Platzfüller, da die spärlichen Hinweise zu Frauen sonst nur zu ein paar wenigen Seiten führten. Ausnahmen dazu bildet zum Beispiel der historische Bericht zu kriegerischen Frauen, dessen Diskussion letztlich das Bild hinterlässt, dass man ihn als ,,Beweis” für weibliche Krieger des Nordens getrost vergessen kann.

Ein großes Manco ist meiner Meinung nach, dass der Autorin die Problematik der Sagas aus Island als Quelle zwar bewusst ist, sie dieses Faktum jedoch bewusst ignoriert und anschließend sehr viel Platz auf die Analyse ausgewählter Sagas verwendet. Zwar relativiert sich das mit der einen oder anderen kritischen Beleuchtung der entsprechenden Saga (Zielpublikum, politische/religiöse Ansichten der mittelalterlichen Autoren), dennoch wird unweigerlich der Eindruck vermittelt, dass die Sagas eine unverzichtbare und sehr wichtige Quelle darstellen. Dass es möglich ist, ein durch die Sagas nahezu unberührtes Werk zur Wikingerzeit zu verfassen und sich dabei dennoch ausschließlich auf historische Quellen zu beziehen, bewies R.I. Page (1995) (Rezension: s.o.).

Der Leser sollte außerdem nie das Alter des Buches vergessen. Einige wenige Details gelten mittlerweile aufgrund neuer Erkenntnisse als falsch. Das Alter der beiden Frauen aus dem Oseberg-Grab ist in jüngerer Zeit zum Beispiel um einige Jahrzehnte nach unten korrigiert worden und auch die Resultate osteologischer Neuuntersuchungen einiger Gräber, die zuweilen zu einer Neubestimmung des Geschlechtes geführt haben (s. z.B. McLeod, S (2011): “Warriors and women: the sex ratio of Norse migrants to eastern England up to 900 ad”, Early Medieval Europe 19, Issue, 3; Gardeła L. (2013) “‘Warrior-women’ in Viking Age Scandinavia? A preliminary archaeological study”, Analecta Archaeologica Ressoviensia 8, 273-339.), konnten in dem Buch nicht mit einbezogen werden.

Ansonsten ist das Buch sicherlich ein hilfreiches Werk für den Einsteiger. Wer sich aber schon mit diversen Quellen zu/aus dieser Epoche beschäftigt und sich seine eigenen Gedanken gemacht hat, wird in dem Buch nur wenig Neues finden.


Runes

Grobe Einführung in die Verbreitung, Form und Nutzung von Runen

Rezension

Dieses Buch ist jenen Lesern zu empfehlen, die sich erst seit Kurzem für Runologie interessieren und einen einfachen Einstieg in das Thema suchen. Auf 99 Seiten (inklusive bunter Bildchen) erklärt der Autor die Ursprünge der Runen (nein, nicht die Geschichte mit Oðinn und der Esche), geht auf die häufigsten Formen von fuþark und fuþork ein und beleuchtet die Unterschiede zwischen den Runen der britischen Inseln und jenen des wikingerzeitlichen Nordeuropas. Es wird deutlich, dass Runen nicht nur ausnahmsweise auf Steinen oder einzelnen Metallgegenständen vorkamen, sondern vermutlich auch im Alltag von einer breiteren Bevölkerung verwendet wurden. Zuletzt werden grob die Methoden und die Schwierigkeiten der Arbeit der Runologen erläutert und moderne Anwendungen der Runen erwähnt (mit besonderer Betonung des Einflusses der Nazis und Tolkiens).

Für weitere Recherche in der Welt der gedruckten Information wird der further reading-Teil sicherlich sehr hilfreich sein.


The Penguin Historical Atlas of the Vikings

Zeitlich und geographisch gegliederter Überblick über die verschiedenen wikingischen Aktivitäten inklusive Kartenmaterial.

Rezension

Das Ziel dieses 144 Seiten starken Atlas ist es, die Geschichte der Wikingerzeit kartographisch darzustellen. Verschiedene Wege, zu Land wie natürlich zu See, werden übersichtlich dargelegt. Ein großer Fokus liegt dabei auf den kriegerischen Reisen, nicht zuletzt weil ein signifikanter Teil der wikingischen Expansion mit Waffen erreicht wurde.

Thematisch beginnt das Buch in der Vendelzeit und endet mit den Entwicklungen in Skandinavien zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert. Bemerkenswert an diesem Vorgehen ist, dass das "Vorher" und "Nachher" betrachtet, die Wikingerzeit also in ihren weiteren historischen Kontext gesetzt wird. Woraus entstand die Periode, die von Historikern einst "Wikingerzeit" genannt wurde und in der in Skandinavien viele gesellschaftliche Umbrüche geschahen? Wo ging es danach hin, d.h. was entstand widerum aus jener Epoche?

Nach einer Einführung, in der auch das damalige Klima, die Verbreitung gewisser Bräuche und Territorien diverser Großstämme in Kartenform dargestellt sind, geht ein langes Kapitel auf die verschiedenen Raubzüge im Laufe der Jahrhunderte ein. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Britischen Inseln und Westeuropa. Abgesehen davon rückt hier die zeitliche Gliederung in den Vordergrund. So mag das Kapitel in England beginnen, sich bald aber dem Frankenreich und dem Mittelmeer zuwenden, bis es schließlich "wieder einmal Zeit wird", nach England zurückzukehren, um die nächste Überfallswelle zu umschreiben. In den nächsten zwei Teilen wird auf die Entdeckungen im Nordatlantik und die Aktivitäten in Osteuropa eingegangen, um sich schließlich den großen politischen Wandlungen in Nordeuropa gegen Ende der Wikingerzeit zuzuwenden.

Stellenweise ist das Buch erstaunlich textlastig, was die spontanen Erwartungen an ein Kartensammelwerk etwas enttäuscht. Da es sich - höchstwahrscheinlich nicht zufällig - hervorragend als Nachschlagewerk eignet, sind gewisse klärende Abschnitte in Textform jedoch sehr praktisch. Weitere Vorteile: Auf vier Seiten sind die wichtigsten skandinavisch beeinflussten Geschehnisse europaweit in einer chronologischen Übersicht gegenüber gestellt. In einer zusätzlichen Spalte werden wichtige Weltgeschehnisse mit Einfluss auf Europa erwähnt, die nicht direkt auf Skandinavier zurückzuführen sind. Am Ende des Buches findet der Leser eine Übersicht über die jeweiligen Herrscher Skandinaviens, Dublins, Yorks, der Orkneyinseln, der Normandie (bis William der Eroberer) und der Rus in Kiev. Damit lässt sich die Frage, wer in einem bestimmten Jahr in einer bestimmten Region herrschte, schnell beantworten.


Ibn Fadlan and the Land of Darkness Arab Travellers in the Far North

(Früh-)Mittelalterliche Berichte arabischer Schriftsteller über den Norden

Rezension

Das Buch beinhaltet spärlich kommentierte Übersetzungen auf Englisch diverser arabischer Schriftsteller, die über Osteuropa – aus ihrer Sicht der ferne Norden – berichteten. Die Informationen über die diversen Stämme, deren Handelsbeziehungen und Kultur stammen sowohl aus eigener Erfahrung als auch durch Berichte aus zweiter oder dritter Hand. Neben dem ausführlichen Bericht Ahmad ibn Fadlans von 921/922 und Abu Hamid al-Andalusi al-Gharnatis 1130-1155 sind diverse Ausschnitte von Schriften weiterer Araber jener Zeit enthalten. Ausführliche Details der wichtigsten Autoren werden in der Einleitung gegeben, doch vor jeder Textpassage eines neuen Autors findet sich eine kurze Zusammenfassung zur jeweiligen Person. Das Buch wird durch eine handvoll Karten und einen übersichtlichen Appendix mit Erläuterungen ergänzt.

Der Inhalt ist besonders für Darstellungen aus dem schwedischen Raum sowie für Rus- und Slawendarstellungen sehr interessant. Die wichtigsten Informationen, die in den Berichten angegeben werden, handeln um Religion, Handel und friedlichen oder kriegerischen Beziehungen der diversen Stämme untereinander. Was das Buch ganz besonders macht, ist, dass es auch dem Ungelehrten die historischen Quellen zu einer Zeit und einem Gebiet offenbart, über die nur wenige zeitgenössische Dokumente berichten.


Kvinner i Vikingtid

verschiedene Aspekte zur Frau in der Wikingerzeit

Rezension

Welchen Symbolwert haben Schlüssel als Grabbeigabe in Frauengräbern? Welche Mitspracherechte hatten die Frauen des neu besiedelten Islands auf dem Þing? Welcher Zusammenhang lässt sich zwischen den Grabhügeln der reichen Frauen Vestfolds und der Landschaft erkennen? Was charakterisierte die Frau im städtischen Birka, was für Frauennamen haben wir überliefert und wie sind diese zusammengesetzt? Wie lange dauert es eigentlich, eine Viborg-Tunika herzustellen, angefangen beim Anbau des Leinens?

Diesen und mehr Fragen widmeten sich diverse Akademikerinnen aus der Wikingerzeit-Forschung. Ihre Artikel sind in ,,Kvinner i Vikingtid” (,,Frauen in der Wikingerzeit”) zusammengefasst. Die Artikel sind auf Englisch oder in verschiedenen skandinavischen Sprachen verfasst (Dänisch, Schwedisch, Norwegisch) und somit teilweise nur für jene gut zugänglich, die mindestens eine der letzteren drei Sprachen lesend beherrschen. Das macht es zuweilen relativ mühselig, an die Informationen zu kommen. Zudem könnten die Abbildungen bedeutend größer sein, häufig sind sie jedoch nur an den Seitenrand gedrängt.

Dennoch lohnt sich die Lektüre sehr. Der Leser erhält Einblicke den den Stand der Forschung zu verschiedenen Themenschwerpunkten und das Wissen zur Rolle und zum Aufgabenbereich der Frau im frühmittelalterlichen Nordeuropa kann bedeutend vertieft werden.