Auch Moesgård war verdammt groß - dieses Jahr kämpften dort mehr als 600 Krieger und zusätzlich lagerten deren Tross und all die Händler. Doch obwohl die Marktfläche nicht nur eine große Wiese, sondern auch Teile des Strandes einschloss, war es sehr, sehr eng...

Der Grund dafür waren neue Rettungsweg-Vorgaben, wegen derer die Wege breiter werden mussten. Wir hatten deshalb beinahe keinen Platz bekommen, aber zum Glück konnten wir als "Erweiterung" von Blinas Koek fungieren, indem wir unser Lager an die Lagerküche anschlossen und diese um ca. 2 Meter erweiterten (vielen Dank nochmal an Skeggi und Blina!).

Kämpfende Pferde, kämpfende Menschen

Moesgård war nicht nur voll mit Kriegern und deren Tross, es waren auch um die 25 Islandpferde da. Neben dem Schlachtfeld war eine Weide für sie abgezäunt worden. Da sich die meisten aber noch nicht kannten, bevor sie zusammen kamen, waren die ersten Tage und Nächte vom Getrampel der Hufe und vom Wiehern der Tiere, die eine Hierarchie zu bilden versuchten, geprägt. Schließlich hatten einige Pferdebesitzer herausgefunden, wen sie von wem zu trennen hatten und es wurde ruhig.

Naja, nicht wirklich. Die Pferde waren ruhig, ja. Die Krieger nicht. Sie hatten ein recht striktes Trainingsprogramm, das morgens um 8 Uhr anfing. Während die meisten von uns sich noch schlaftrunken die Augen rieben, klang aus dem Buchenwald bereits Kampfgeschrei und das Geräusch von stumpfem Stahl auf Stahl. Dabei war es ein Wunder, dass so viele so früh überhaupt schon fit sein konnten, wenn man all die Partys bedenkt. Jubiläum der Gruppe A am einen Abend, Jubiläum der Gruppe B am anderen, Party im Jomswikinger-Lager, Party bei den Isländern, Geburtstagsparty unseres polnischen Nachbarn - und, oh, diese Melancholie in den Liedern, die ein paar polnische Frauen anstimmten! Was braucht man mehr als ein Feuer, Essen und Trinken, das man mit allen teilt und die Lieder der Schweden und Polen.

In aller Öffentlichkeit

Der offizielle Markt fand erst am Wochenende statt - leider fühlten sich viele Darsteller deswegen unter der Woche nicht verpflichtet, so authentisch wie möglich zu bleiben. Ständig standen noch irgendwelche Autos herum, Leute trugen moderne Klamotten und viele Krieger gingen in moderner Sportkleidung trainieren. Das hat nicht nur die Gesamtatmosphäre gestört, sondern muss auch für die Besucher etwas blöd ausgesehen haben. Schließlich handelt es sich bei der Lagerfläche um einen öffentlichen, frei zugänglichen Platz. Bevor der offizielle Markt losgeht, kann man das Lager ohne Eintritt zu bezahlen besuchen und anschauen (dabei hat man aber auch kein Programm und es gibt keine Garantie, dass der Markt vollständig ist, d.h. es könnten immer noch Leute aufbauen).

Aber diese Besucher waren lediglich kleine Tröpfen im Vergleich zu der Flut, die am Wochenende kam. Es müssen tausende gewesen sein, die rein und raus gingen, vorbeiliefen, ihren Kindern Dinge erklärten oder selbst das eine oder andere lernten. Tausende Füße trampelten über den Boden, immer und immer wieder. In Kombination mit dem dänischen Sommer war es nur eine Frage der Zeit und Moesgård wurde zu...

...Matschgård.

Einige kurze Regenschauer unter der Woche hatten den Boden bereits ordentlich beeinflusst. Das Gras auf den Hauptwegen war schnell verschwunden, zertreten von mehreren hundert Reenactoren. Die "Frikinger", freiwillige Helfer, hatten die matschigeren Stellen schon immer schnell mit Holzschnetzeln bedeckt. Am Anfang hat das auf jeden Fall viel geholfen. Doch am Wochenende ergossen sich über uns für eine kurze Zeit (die uns viel zu lang vorkam) unendliche Wassermassen vom Himmel. Nachdem wir das wichstigste ins Zelt gerettet hatten, grub Vil zusammen mit einem unserer schwedischen Nachbarn einen Graben von Blinas Kochstelle an unserer Lagerfront vorbei. Beide waren schnell vollkommen durchnässt, aber bei dem Regen wäre das ohnehin schnell passiert. Wegen der Topographie des Geländes mussten unsere polnischen Nachbarn sogar einen Graben durch ihr Zelt buddeln, da sie ansonsten ein Schwimmbecken vor ihrem Lager gehabt hätten.

Wir bastelten zwei kleine Papierschiffchen und ließen sie unseren selbstgebauten Fluss runtersegeln. Eines davon kam sogar in Polen an. Ich war sehr stolz.

Nachdem der Regen aufgehört hatte, liefen natürlich immer noch bzw. schon wieder Leute herum. Alle Holzschnetzel der Welt hätten da nicht helfen können (statt die Bäume zu schreddern, hätte man vielleicht Planken daraus bauen und diese auslegen sollen!), und so wurde Moesgård allmählich zu Matschgård. Immerhin war es nicht kalt und wir konnten barfuß zu den Toiletten schlittern. Und obwohl es hier so klingen mag, hat es die meiste Zeit überhaupt keinen Spaß gemacht. Vor allem nicht der Abbautag, mit stecken bleibenden Autos und so...

Wikingerschiffe und brennende Masken

Es war eine spezielle Zeremonie für das 40-jährige Jubiläum Matschgårds geplant. Alle waren gespannt, denn die Gerüchte reichten von vier bis 40 Wikingerschiffen, die zum Strand segeln sollten, wo dann eine epische Seeschlacht stattfinden sollte.

Nun, es waren zwei Schiffe. Und sie waren spät dran. Und eines kam nicht einmal ansatzweise nah an den Strand, das andere strandete, aber kippte wegen der Wellen beinahe um und musste mit viel Manneskraft wieder in tieferes Wasser geschoben werden. Es gab auch keine Seeschlacht.

Die Zeremonie beinhaltete eine kurze Rede, Musik mit mittelalterlichen Instrumenten und eine hölzerne Matschgård-Maske, die extra für das Event gebaut worden war. Sie wurde im Wasser aufgestellt, mit Benzin getränkt (mit den vorherigen Regenschauern hätte sie sonst nie Feuer gefangen) und mit Feuerpfeilen in Brand gesetzt. Es wäre alles ganz schön episch gewesen, wenn sie nicht so schnell runtergebrannt gewesen wäre. Die Sonne war noch nichtmal richtig untergegangen, als die verkohlten Holzreste im Wasser trieben. Unserer Meinung nach hätte es auf dem Strand ein riesiges Lagerfeuer geben sollen, das die ganze Nacht gebrannt hätte...

Aber trotz des Regens, Matsches und den enttäuschten Erwartungen hat Moesgård Spaß gemacht. Genug Spaß, um ernsthaft darüber nachzudenken, nächstes Jahr wiederzukommen.