Auch wenn die Saison hauptsächlich im Sommer stattfindet, kann das Wetter schnell ungemütlich nass und kalt werden – das haben uns die Märkte dieses Jahr gelehrt. Um diesem zeitlosen Problem entgegen zu wirken, nähte ich für unsere Gruppe Gugeln der Art, wie man sie häufig in der Frühmittelalter-Szene findet: rechteckige oder abgerundete Kapuze verbunden mit über die Schultern reichenden Stücken, welche je nach Belieben ebenfalls auf Brust- und Rückenseite zugespitzt oder abgerundet sind. Im folgenden Artikel gehe ich auf die norwegische Fundlage zu diesem Kleidungsstück ein und lege anschließend dar, wie ich bei meiner Interpretation vorgegangen bin.

Der Skjoldehamn-Fund

1936 wurde auf dem Hof Skjoldehamn (Andöya, Nordland, Norwegen) eine Moorleiche zusammen mit vielen gut erhaltenen Textilien gefunden1 . Die Leiche lag in eine Wolldecke gewickelt, mit Lederriemen und einem gewebtem Band zusammengeschnürt, auf einer Rentierhaut, welche widerum auf vier bis fünf Birkenstöcken lag.

Datierungsversuche wurden mehrfach unternommen, ohne dass jemals ein wirklich einheitliches Resultat erzielt wurde1 . Die zeitliche Spanne der Datierungen reicht von etwa 936 bis 1280. 2009 datierte Løvlid1 den Fund auf die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts.

Anthropologische Untersuchungen in den 30er Jahren ergaben, dass der/die Tote etwa 40 bis 50 Jahre alt wurde und ca. 155-160cm groß war. Das Geschlecht konnte nicht ermittelt werden, da die hierfür notwendigen Teile des Skelettes fehlten.

Ende der 90er Jahre wurden DNA-Analysen durchgeführt, um die Frage des Geschlechtes und der Ethnizität (nordisch oder samisch) genauer zu beleuchten. Aufgrund der Ergebnisse wird angenommen, dass es sich um eine nordische Frau handelte. Da genetische Analysen im Vergleich zu heute jedoch relativ ungenau waren, besteht keine absolute Sicherheit für die Richtigkeit dieses Ergebnisses.

Diese Fragen wurden auch aus trachtenhistorischer Sicht beleuchtet2 . Während einige Kleidungsstücke auf eine samische Herkunft schließen lassen, stellen andere dies wieder in Frage. Die Trachten der nordischen und samischen Völker sind grundsätzlich sehr verschieden. Zieht man die vielreichen Kontakte zwischen den nordischen und samischen Völkern während des Früh- und den Anfängen des Hochmittelalters3 in Betracht, scheint eine Trachtenmischung bis zu einem gewissen Grad jedoch nicht unmöglich.

Die Gugel

Abgesehen von der Decke, in die die Leiche gewickelt war, sowie die gewebten Bänder zum Einschnüren dieser wurden eine gugelartige Kapuze, eine Jacke, ein gewebter Gürtel, eine Tunika, eine Hose, Strümpfe, Beingamaschen und gewebte Knöchelbänder gefunden1 . Von den Bändern und einem Dekor-Stück auf der Brust der Tunika abgesehen sind alle Kleidungsstücke in 2/2-Gleichgratköper gewebt. Die Kette besteht aus scharf in Z-Richtung gesponnenem Garn mit sehr hohem Haar-Anteil und ist im Durchschnitt bedeutend dünner als der Schuss, welcher lose in S-Richtung gesponnen ist und einen sehr hohen Woll-Anteil besitzt. Bei der Gugel ist die Kette im Schnitt etwa 0.8mm und der Schuss etwa 1-1.2mm dick. Im folgenden Abschnitt werde ich mich ausschließlich auf die Gugel beziehen.

Der Schnitt

Die Gugel besteht aus drei rechteckigen Stücken: Einem größeren Hauptstück und jeweils einem Keil auf der Vorder- und Rückseite. Sie weisen alle eine ähnliche Fadenzahl auf und wurden wahrscheinlich aus demselben Stoff geschnitten (Fadenzahlen, Verhältnis Kette/Schuss pro cm: Hauptstück 9.4/6.9, Vorderkeil 10.5/7.3, Hinterkeil 10/7.5). Das Gewebe weist Zeichen starken Füllens auf. Die scharf gesponnene Kette ist davon weniger betroffen als der lose gesponnene Schuss. Pigmentanalysen zeigten, dass Kette und Schuss einst dunkelgrau beziehungsweise grau/hellgrau gewesen sein könnten.

Das Hauptstück weist zwei Schnitte auf, die jeweils für den vorderen Keil und den Gesichtsausschnitt vorgesehen sind. Dazwischen liegt ein etwa 1cm langer, ungeschnittener Teil. Es ist leicht asymmetrisch: zum Hinterkeil hin ist es etwa 7cm länger. Der Vorderkeil ist zu fragmentarisch, um eine Aussage über seine ursprünglichen Maße treffen zu können. Den einzigen Hinweis zu seinen Kantenlängen liegt in Form des Schlitzes auf, in den er eingenäht ist. Dieser ist etwa 25cm lang. Der Hinterkeil weist Kantenlängen von ungefähr 23.5-28.4cm auf.

Die Nähte

Der Vorderkeil ist zum Festnähen unter das Hauptstück gelegt und die Kanten des Hauptstückes nach innen gefaltet worden. Der Hinterkeil ist in ähnlicher Weise angebracht. Die Nähte sind mal in ungezwirntem und mal in gezwirntem, dunkelbraunem Garn gearbeitet. Sie sind relativ kompliziert und es wird angenommen, dass einige Reparaturen vorgenommen worden sind. Von der rechten Seite sind die Nähte unsichtbar.

Im Gegensatz dazu ist die Unterkante der Gugel nicht nach innen gefaltet und nur mit sehr groben Überwendlich-Stichen befestigt. Der Nähfaden erinnert stark an die Kettfäden des Gewebes. Die Naht ist recht unregelmäßig mit Stichlängen von bis zu 1.3cm und Abständen von bis zu 1.5cm (meist 0.5-0.8cm). Die rechte Seite des Hinterkeiles besteht aus einer Webkante und ist nicht umsäumt. Die Naht am Vorderkeil ist weniger gut sichtbar und etwas feiner gearbeitet (Abstände von 0.2-0.5cm).

Die Oberkante der Kapuze weist mehrere Nähte mit verschiedenen Funktionen auf. Die Stoffkanten sind zunmächst nach innen gefaltet und mit einem dunkel-graubraunen Garn überwendlich zusammen genäht. Die Naht reicht ein Stück bis in den Nacken, wo sie von einem gelben Garn übernommen wird (s.u.). Die übrigen drei Nähte bilden den “Hahnenkamm”: Naht 1 penetriert sowohl die Seiten der Kapuze als auch die Nahtzugaben (= vier Lagen Stoff). Sie reicht von der Vorder- bis zur Hinterkante. Der Abstand zur Oberkante liegt zwischen 0.3 und 0.8cm. Das dunkel-graubraune Garn wurde auch hier verwendet.

Nähte 2 und 3 sind wieder ein einem den Kettfäden sehr ähnlichen Garn genäht. Sie gehen lediglich durch die Seiten der Kapuze, nicht durch die Nahtzugaben. Naht 2 reicht von der Vorder- bis etwa 1.5cm vor der Hinterkante mit einem Abstand von ca. 1-1.5cm von der oberen Kante, läuft nach unten um das Ende von Naht 3 und schließlich etwa 8.5cm nach vorne. Der Abstand zwischen jenem letzten Stück und der Oberkante liegt zwischen 2.7 und 2.2cm. Naht 3 ist auf der linken Seite mit einem Knoten befestigt und verläuft mit einem Abstand von 1.8-2.3cm zur Oberkante bis kurz vor der “Kurve” von Naht 2. Das komplizierte Arrangement dieser Nähte legt nahe, dass die Form des “Hahnenkammes” an die Kopfform angepasst wurde.

Verzierungen und Bänder

Die Hinterkanten der Kapuze sind nach innen gefaltet und mit einem gelben Faden zusammengenäht worden. Der Faden beginnt etwa 2.7cm von der Oberkante entfernt mit einem aufwendigen Knoten auf der linken Seite und endet etwa 3.7cm über dem Hinterkeil. Die Stichlängen betragen etwa 0.5cm und verlaufen in Heftstichform alternierend auf der rechten und linken Seite. Das untere Ende eines jeden Stiches weist nach innen.

Die Schnittkanten des Gesichtsausschnittes sind etwa 1cm nach innen gefaltet und mit einer Art “Klosterstich” befestigt: Die linke Seite ist größstenteils mit einem roten Faden dekoriert, die rechte und der Rest der linken Seite mit einem gelben, der dem Faden auf der Hinterseite der Kapuze gleicht. DIe Fäden sind wiederum mit einem gelben Faden derselben Art festgenäht. Die Gründe für die Wahl eines derartig asymmetrischen Musters sind nicht klar. Løvlid1 vermutet, dass der rote Faden ein Reststück darstellt, welches für die Verzierung der Gesichtsöffnung nicht ausreichte und deswegen mit dem gelben Faden ergänzt wurde.

Schließlich ist noch auf der Rückseite der Kapuze, wenige Zentimeter von der Oberkante, auf jeder Seite ein gelblicher dekorativer Knoten angebracht.

Auf beiden Seiten der Kapuze sind geflochtene Bänder angenäht. Das linksseitige Band ist etwa 19cm lang und befindet sich 24cm von der Oberkante und 10cm von der Hinterkante entfernt. Das rechtsseitige ist unvollständig, weshalb die Länge nicht mehr mit Sicherheit bestimmt werden kann. Es liegt 22.8cm von der Oberkante und 10.2cm von der Hinterkante entfernt. Beide Bänder sind ca. 0.4cm dick und bestehen aus zwei Garnpaaren jeweils in Olivgrün und Braunrot. Sie sind in einer Technik verflochten, die ein spiralförmiges Muster ergibt. Die Enden sind offen (Länge der Fransen: 2.5cm) und in gefülltes, grünes Gewebe gehüllt. An der Kapuze sind die Bänder mit gezwirnten, geblichen und grau-braunen Fäden befestigt.

Adaption des Fundes für die Wikinger-Darstellung

Kompatibilität

Bei der Adaption von Gegenständen aus dem Skjoldehamnfund für eine im Schweden des 10. Jahrhunderts plazierte Wikinger-Darstellung fallen zunächst drei Probleme auf: 1. Die geographische Lage; 2. die fragliche Ethnizität der Moorleiche; 3. die Datierung. Bei alleiniger Betrachtung der Gugel relativieren sich diese Probleme jedoch wieder. Selbst wenn der Fund eher samischen als nordischen Ursprunges sein sollte, scheint das Schnittmuster derartig einfach, dass die Gugel weder typisch für die eine noch für die andere Kultur ist. Tatsächlich konnten bei einer trachtenhistorischen Untersuchung keine Merkmale gefunden werden, die sie eindeutig einer der beiden Kulturen zuordnet2 . Die Einfachheit des Schnittes sowie die Funktion des Kleidungsstückes als Kälte- und Wetterschutz legen außerdem nahe, dass ähnliche Formen über einen weiten zeitlichen und geographischen Bereich reichen. Das heißt, es ist durchaus denkbar, dass Gugeln in dieser Form im wikingerzeitlichen Mittelschweden Verwendung fanden.

Ásas Gugel

Von den drei Gugeln wurde jene für Ása als erstes genäht. Da Ása nur geringfügig größer ist als die geschätzte Größe der Skjoldehamn-Moorleiche, wurden die ungefähren Maße des Originales übernommen. Die Keile wurden zu Quadraten umgesetzt und die Verlängerung des Hauptstückes zum Rücken hin betrug etwa 5cm. Theoretisch kommt die Gugel auch ohne diese Verlängerung aus. Bei Arbeiten im Freien, bei denen man sich nach vorne beugt, ist sie jedoch von Vorteil, da der Rücken so besser gegen fiese Wettereinflüsse geschützt bleibt.

Als Stoff wurde ein dicker, gewalkter Stoff aus naturbrauner Wolle auf den Wikingertagen in Schleswig erworben. Als Nähgarn wurde zweifach gezwirntes, naturbraunes Wollgarn verwendet. Die Teile wurden gemäß der Fundbeschreibung ausgeschnitten und zusammengenäht, wobei aber die Nähte für den “Hahnenkamm” mit etwas größeren Abständen zueinander angebracht wurden. Diese Form des “Abnähens” sorgt für eine gute Passform der Kapuze am Kopf und verhindert das Eindringen von Wind an den Seiten. Das ungeschnittene Stück zwischen Keil- und Gesichtsausschnitt verhindert das Zusammenlaufen von mehreren Nähten an einem Punkt, der vermutlich regelmäßiger Belastung ausgesetzt würde. Es ist grundsätzlich anzumerken, dass die Gugel sehr nah am Körper sitzt und kaum überflüssige Falten wirft.

Die Nähte, mit denen die Keile festgenäht wurden, sind gemäß der Fundbeschreibung von Løvlid1 etwas komplizierterer Art und ergeben auf der rechten Seite eine Doppelreihe, von der die eine durch eine Stoffschicht (=Keilstoff), die andere durch drei Stoffschichten geht (Keilstoff und zwei Lagen durch umgeklappte Kante des Hauptstückes). Für diese erste Gugel wurde der Stich übernommen, bei den beiden anderen aber durch einen simpleren Stich ersetzt (s.u.). Die Kante des Gesichtsausschnittes wurde etwa 1-1.5cm nach innen geklappt und überwendlich festgenäht.

Von den Verzierungen des Originales wurde lediglich die gelbe Nacht auf der Rückseite der Kapuze übernommen. Das mit Zwiebelschalen goldgelb gefärbte Garn ist mit der Handspindel gesponnen und gezwirnt. Die Naht verläuft über die gesamte Kante bis zum Anfang des Hinterkeiles.

Die Unterkante der Gugel wurde nicht umgenäht, sondern stattdessen mit einem kammgewebten Band befestigt. Der beige Faden ist mit Eichenrinde gefärbt, der dunkel-olivgrüne mit Zwiebelschale plus Eisen. Als Spinn- und Zwirnwerkzeug ist wieder die Handspindel benutzt worden (Unregelmäßigkeiten des Bandes sind vor allem auf Unregelmäßigkeiten in der Dicke der Garne zurückzuführen). Gestreifte Bänder in Tuchbindung sind auch für die Hemdärmel aus dem Skjoldehamnfund beschrieben1 . Die genaue Technik (Brettchenweben oder Kammweben) kann anhand des Endproduktes nicht bestimmt werden1 4 . Das Skjoldehamn-Hemd weist einige Hinweise auf eine samische Herkunft auf2 , was die Technik des Kammwebens hier in Frage stellt: die früheste Erwähnung von Kammweben in samischer Kleidung stammt aus dem 17. Jahrhundert2 . Die Technik reicht jedoch bis in die zentraleuropäische Römerzeit zurück, was Funde aus Oberösterreich belegen4 . In welchem Umfang sie im wikingerzeitlichen Skandinavien verwendet wurde, bleibt leider ungewiss.

Für die Bänder an der Kapuze wurde das gleiche Garn verwendet wie für das Band an der Unterkante. Die Technik wurde aus Løvlids Beschreibung entnommen1 . Statt eines Stoffstückes an den Enden wurden die Bänder nur einfach mit sich selbst verknotet. Werden sie im Nacken zusammen gebunden, vergrößert sich das Sichtfeld zu den Seiten.

VilhiálmRs und HárukRs Gugeln

Für Vils Gugel wurde der gleiche Stoff verwendet wie für Ásas Gugel. Der Schnitt ist gleich, nur die Dimensionen wurden etwas vergrößert. Wie oben schon angedeutet, wurde die Nähtechnik zum Befestigen der Keile zugunsten einer simpleren, aber wahrscheinlich ebenso effektiven Methode (Überwendlich) ersetzt. Die gelbe Naht auf der Rückseite der Kapuze wurde ebenso simpel mit dem brauen Nähgarn gearbeitet und für den “Hahnenkamm” wurden etwas weniger Nähte verwendet.

Die Bänder, mit der die Kapuze im Nacken zusammengeschnürt werden kann, wurden neben dem oben erwähnten olivgrünen Garn mit genauso hergestelltem, aber orange gefärbten Garn geflochten. Von Demselben Flechtband wurde ein langes Stück genommen und rings um den Gesichtsausschnitt festgenäht. Zur weiteren Verzierung wurde an die Unterkante der Gugel ein Besatz aus zweifarbigem Diamantköper genäht. Da zu dem Zeitpunkt kein passendes Reststück eines solchen Stoffes vorhanden war, wurde auf dem Wikingerfest des Adventon-Parkes ein entsprechend langer, schwarz-weißer Wadenwickel gekauft und mit Zwiebelschalen orange eingefärbt. Durch das Anbringen des relativ breiten Stoffstreifens entstand der Nebeneffekt einer etwas längeren Gugel, welche die Schultern noch besser bedeckte.

HárukRs Gugel wurde aus einem ähnlichen Stoff in dunklerem Farbton genäht. Die weiteren Abweichungen zu Vils Gugel – abgesehen von den Maßen – bestehen aus der Verwendung der beige-olivgrünen Flechtbänder für die Kapuzenschnüre und den Verzierungen von Gesichtsausschnitt und Unterkante. Der Gesichtsausschnitt wurde mit einer Reihe von blassgrünem Garn (Komination aus Birkenblätter und Indigo) bestickt. Die Technik ähnelt der des Schlingenstiches. Die Unterkante wurde versäumt und anschließend mit drei moosgrünen Wollfäden verziert, die mit demselben blassgrünen Garn festgenäht wurden. Statt das Hauptstück für den Vorderkeil und den Gesichtsausschnitt zu zerschneiden, wurde dieses Mal lediglich ein Schnitt für den Hinterkeil angebracht. Dies resultierte darin, dass im vorderen Halsbereich mehrere Nähte aufeinander stoßen und diese Stelle potentiell empfindlicher für Belastungen ist. Ob diese Belastungen tatsächlich so groß sind, dass die Nähte regelmäßiger Reparatur bedürfen, wird die Zeit zeigen.

Effektivität des Wetterschutzes

Es ist gut möglich, dass eine Gugel aus gründlich eingefettetem Leder bei Regen besser trocken hält als Wolle. Da eine Gugel aber nur Kopf, Hals und Schultern bedeckt, müsste auch die gesamte übrige Kleidung aus gefettetem Leder bestehen, um wirklich dauerhaft trocken zu halten. Wie haltbar das Material bei wiederholtem Trocknen an einem Feuer letztlich ist, hängt vermutlich von dem in die Nachbehandlung gesteckten Aufwand ab.

Bei schlechtem Wetter hat Wolle viele Vorteile. Erst einmal aufgewärmt, hält sie auch im nassen Zustand warm. Gerade von aufgerauhten Geweben lässt sich der Großteil des Wassers bei leichtem Regen einfach abschütteln. Der Effekt wird verstärkt, wenn die Wolle noch einen natürlichen Lanolingehalt besitzt. Und schließlich lässt sie sich an einem Feuer sehr gut trocknen, ohne dass das Material mit der Zeit steif und brüchig wird.

Von den eigenen Erfahrungen mit den oben beschriebenen Gugeln können bisher nur Vil und Ása berichten, da HárukRs Gugel erst nach Ende der diesjährigen Saison fertig gestellt wurde. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sie bei kaltem, zugigen Wetter wohl zu den Lieblingskleidungsstücken zählen, auch wenn der grobe Wollstoff wegen des relativ engen Schnittes ein wenig am Hals kratzt. Auf dem Wikingerfest im Adventon-Park hat Ása ihre Gugel (unfreiwillig) bei strömendem Regen ausprobiert und blieb erfreulicherweise an Kopf und Schultern warm und trocken.

Quellen:

  1. Løvlid, Dan Halvard. “Nye tanker om Skjoldehamnfunnet.” Masteroppgave i arkeologi ved Universitetet i Bergen (2009).
  2. Løvlid, Dan Halvard. “The Skjoldehamn Find in the Light of New Knowledge.” Trans. Carol Lynn (2011).
  3. Zachrisson, Inger. “Samiska och nordiska kvinnor” in: Kvinner i vikingtid S. 243-268 (2014)
  4. Grömer, Karina. The Art of Prehistoric Textile Making. S. 93-96 Naturhistorisches Museum Wien (2016)
Fund1.jpeg

Die Gugel aus dem Skjoldehamn-Fund. Links ist der vordere, rechts der hintere Keil zu erkennen. Aus Løvlid (2009).

Topsommer.jpeg

Skizze der "Hahnenkamm"-Nähte. Aus Løvlid (2009).

Baksom2

Verlauf der gelben Naht auf der Rückseite der Kapuze. (a) Skizze aus Løvlid (2009); (b) die Naht an Ásas Gugel.

Kordel detail

Detail der Kordel zum Zusammenbinden der Kapuze, hier an Ásas Gugel.

Kammgewebe

Kammgewebtes Band aus handgesponnenem Wollgarn in Eichenrinden- und nachentwickelter Zwiebelfärbung.

Leggsom harukr

Zierschnur am unteren Saum von HárukRs Gugel.

Zierstich harukr

Die Zierstickerei an der Gesichtsöffnung von HárukRs Kapuze.

Schnur

Bei im Nacken zusammengebundenen Schnüren wird das Gesichtsfeld erweitert und die Kapuze bewegt sich bei Kopfdrehen besser mit.

Asa seite

Bei Ásas Gugel wird der vergleichsweise enge Schnitt deutlich.