So kann guten Gewissens davon ausgegangen werden, dass auch zur Wikingerzeit Holz das wichtigste aller Baumaterialien und Werkstoffe für Alltagsgegenstände dargestellt haben wird, auch wenn wir historisch von der “Eisenzeit” sprechen, was aber eher das “am schwierigsten herzustellende Material für den Alltagsgebrauch” widerspiegelt[citation needed]. Im Gegensatz zu Bronze oder Eisen, welches aus Erzen gewonnen werden muss, wächst Holz buchstäblich “draußen vor der Tür”. So ist es wenig erstaunlich, dass auch aus der Wikingerzeit einige teilweise in exzellentem Zustand befindliche Funde aus Holz vorliegen, wovon man sich leicht z.B. bei einem Besuch des Osebergschiff-Museums in Oslo selbst überzeugen kann.

Werkzeuge

Holz lässt sich bereits mit einfachen Werkzeugen bearbeiten. Viele dieser Werkzeuge haben sich ihrer Grundform nach über die Jahrtausende kaum verändert. Nehme man nur eine Axt oder ein Schnitzmesser, ein Stemmeisen oder einen Löffelbohrer: die Grundform (und teilweise auch die Details) finden sich, wenn nicht bis heute, wenigstens bis ins 19. oder frühe 20. Jahrhundert und geographisch weit verbreitet wieder 1 . Diese Tatsache kommt der darstellerischen Interpretation des Holzhandwerkers aus der Wikingerzeit sehr zu Gute, denn bis auf wenige prominente Funde gibt es kaum direkte Quellen, die das “wie und was” dieses Handwerks zu der Zeit belegen. Vielfach muss man sich auf Bearbeitungsspuren an den gefundenen Werkstücken unter Zuhilfenahme der geographischen und zeitlichen Interpolation bedienen, um ein diesbezüglich plausibles Bild zu erhalten. Für den Re-Enactor kann das aber durchaus von Vorteil sein, denn das auf auf dem (online-)Flohmarkt günstig erstandene antike Ziemesser und das Löffelbohrer-Konvolut bildet, mit passenden Griffen versehen, eine gute und plausibel-authentische Werkzegsammlung.

1 Arwidsson, Greta, “The Mästermr find: A Viking Age Toolchest from Gotland”

Darstellung

Beim Werkzeug fängt das Handwerk erst an. Bearbeitungstechniken, Materialien und Arbeitsstätte gilt es so gut wie möglich zu rekonstruieren. Während das authentische Spalten eines Eichenbaumes um Bohlen und Bretter zu erhalten vielleicht vielen noch möglich ist, müssen wir leider Zugeständnisse an moderne Umstände machen bei der Endbearbeitung unserer schönen Holzschnitzereien: Schmirgeln mit Haihaut wird heute ungern gesehen (Schachtelhalm für die Politur ist natürlich OK) und keiner möchte beim Bemalen seiner Werkstücke noch mit Bleioxid und ähnlichen wikingerzeitlichen Pigmenten in Kontakt kommen. Dafür gibt es aber heute wie damals das gute Leinöl und Bienenwachs als umweltverträglichen Holzschutz.

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