Führung "Frauen (und Frauenbilder) im heidnischen Norden und auf dem christlichen Kontinent" Wolle färben mit Birkenblättern

Unser neues, komplett handgenähtes Wollzelt hat noch einen langen Weg vor sich. Drei 6.5m lange Stoffbahnen sind bereits erfolgreich zusammengenäht und eine Längsseite (3.7m) ist ebenfalls fertig umgenäht, während die anderen drei Seiten noch ausstehen. Der nächste Schritt wird sein, Verstärkungsdreiecke in den Ecken einzunähen und Löcher ("Gatjes") für die Befestigung von Spannseilen zu stanzen und zu vernähen. Anschließend müssen gut 20m Seil ("Liek") entlang des gesamten "Segel"-umfangs angenäht werden. Wenn wir den Teil rechtzeitig schaffen, werden wir das Tuch an Stelle unseres aktuell etwas zu modern anmutenden Baumwolltarps auf unserer Dänemark-Tour im Juli/August verwenden.

Ása spinnt derzeit fleißig weißes Garn für unsere Färbeveranstaltung am kommenden Wochenende. Wir werden mit frischen Birkenblättern (es ist Frühling!) ein hoffentlich strahlendes Gelb färben, sowohl auf Garn als auch auf mindestens zwei verschiedenen Tüchern. Außerdem werden wir vielleicht einige im letzten Jahr noch gesammelten Färbemittel mit dem einen oder anderen Wollstrang ausprobieren. Wer Interesse daran hat, mitzumachen, der möge sich ohne Scheu bei uns melden.

Nachdem sich in Haithabu eine unerwartet große Nachfrage nach Wollkämmen in vernünftiger Qualität gezeigt hat, ist Víl dabei, einige neue Kammpaare herzustellen. Ein doppelreihiges Paar aus Buchenholz wurde einer hoffentlich zufriedenen Kundin bereits zugeschickt. Das nächste doppelreihige Paar aus Eiche wird sehr bald fertig sein, danach folgt schon ein etwas kleineres, einreihiges paar aus Ahorn. Wer plant, uns auf einem unserer nächsten Märkte zu besuchen und Interesse an zwar vermutlich nicht historisch korrekten (nach unserem Wissensstand wurden bislang keine Holzreste von Wollkämmen gefunden), dafür aber ordentlich gefertigten Kämmen hat, möge sich mit uns in Verbindung setzen.

Dem einen oder anderen mag bereits Víls Gürteltasche oder "Säbeltasche" aufgefallen sein, welche er letztes Jahr in Borre (N) als Ersatz für die viel zu kleine (gerade mal genug Platz für Flint, Stahl, Zunder und etwas Hacksilber) unauthentische schwarze Gürteltasche erworben hatte. Diese war auf Grund ihrer fehlenden Dekoration und der schönen roten Färbung aber von Anfang an dazu prädestiniert, eines Tages mit schönen Bronzebeschlägen versehen zu werden. Dieser Tag war nun gekommen und das Resultat der beim Podol erstandenen Taschenbeschläge sieht ausgesprochen edel aus. Das einzige "Problem", welches nun definitiv entsteht (alsob das vorher noch keiner hat kommen sehen!) ist dieses: die Tasche mitsamt Beschlägen ist definitiv magyarischen Ursprungs, was für den Kontext "Birka, a.d. 900" zwar absolut legitim ist, aber nicht für einen Bauern/Handwerker aus der Mälar-Region, auch nicht einem sehr reichen. Diese Tasche kann nur einem Mitglied der in Birka selbst ansässigen kaufmännischen oder Krieger-Elite gehört haben, welcher Kontakte weit nach Osten hatte. Einem Rus. Das sollte nun spätestens dazu führen, dass Víl die Hintergrundgeschichte zu seiner Darstellung überdenken muss, oder explizit eine zweite Darstellung ausarbeiten. Beides wäre an sich nicht schlimm, da eine Rus-(inspirierte) Darstellung ohnehin die ursprüngliche Idee war. Allerdings wird eine explizite Zweitdarstellung auf lange Sicht sicher für uns beide unvermeidbar sein, denn einerseits möchten wir uns gerne mit "viel Bling" und schönen Klamotten schmücken, aber andererseits möchten wir auch unbedingt diesem Drang widerstehen, wie so viele anderen als Jarls und Könige herumzulaufen, weil wir es uns in der heutigen Zeit leisten können. Um da mehr Konsistenz zu schaffen, werden wir uns spätestens während der nächsten Winterpause einiges überlegen müssen. Mehr Gedanken zu dem Thema werden sicher noch folgen.

Nachdem wir neulich einen großen Berg frischer Weidenzweige zur Verschönerung unseres Gartens bekommen hatten, hatten wir auch die Möglichkeit, einmal etwas Korbflechten mit den dünneren Zweigen auszuprobieren. Dazu verwendeten wir einen durchbohrten Holzboden analog dem Gokstad-Korbfund, was schnell zu einem ansehnlichen Ergebnis führte. Zwei Körbe werden nun die etwas Klischee-behafteten Jutebeutel ersetzen, in denen wir sonst Rohwolle aufbewahren und präsentieren.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum zeitintensivsten Hobby von allen: das Kultivieren diverser Gewächse im Garten. Dieses Jahr versuchen wir einige etwas exotischere Färbepflanzen anzubauen, die schon im 10. Jahrhundert verfügbar waren: Waid (Isatis tinctoria), schwarze Stockrose (Alcea rosea, Vermutlich zu der Zeit aber nur im Frankenreich und nicht in Skandinavien verfügbar) und wir werden unseren Löwenzahn (Taraxacum) sowie die Hasel-, Birken- und Buchenbäumchen sicher stehen lassen. Mit etwas Glück werden wir zu einem der nächsten Märkte auch Johannis- und Stachelbeeren, Zwiebeln, Knoblauch, Weißkohl und dicke Bohnen mitnehmen können.