Die Recherche geht weiter!


Der Fund

Die Beschreibungen zu diesem Wollkammfund (sowie die Bildausschnitte in diesem Post - abgesehen von dem Hintergrundbild oben) stammen aus "Fyrkat. En jysk vikingeborg II: Oldsagerne og gravpladsen." von Else Roesdahl (1977).

An einer Stelle außerhalb des Walles der dänischen Wikinger-Festung Fyrkat (2. Hälfte des 10. Jhds), dort, wo einst ein großer Brand statt fand, wurden die Überreste zweier Wollkämme gefunden. Der eine ist zwar stark fragmentarisch, aber dennoch fast vollständig erhalten, der verkohlte Griff aus Lindenholz. Er ist ca. 17.5 cm lang, der Kopf 9.9cm breit. Die Handhabe scheint in Richtung Kopf allmählich breiter zu werden. Es ist eine Reihe von 14 Metallzinken erhalten, welche aus einem 2.2cm breiten Metallblech ragen. Unterhalb des Bleches beträgt ihre Länge etwa 2.3cm. An der einen Seite ist das Blech abgebrochen, an der anderen um das Holz herumgeschlagen. Es konnte nicht sicher bestimmt werden, ob der Kopfteil vollständig ist oder nicht. Es wurden zwar keine direkten Hinweise auf eine zweite Reihe gefunden, aber die Möglichkeit, dass eine der losen Zinkensammlungen (s.u.) ursprünglich eine solche dieses Kammes bildeten, konnte nicht ausgeschlossen werden.

Der andere Wollkamm von Fyrkat ist in weitaus schlechterem Zustand als der erste. Etwa 8cm des Holzgriffes in der Nähe des Metallbleches sind erhalten und weisen darauf hin, dass er die gleiche Form wie der erste hatte. Auch dieser Kamm war aus Lindenholz gefertigt. Abgesehen davon gibt es drei lose Ansammlungen von rostigen Wollkamm-Zinken. Die erste Ansammlung besteht aus Holzresten und 14 rundlichen Zinken. Das Fragment ist etwa 8cm breit. An den am besten erhaltenen Zinken kann man erkennen, dass sie leicht gebogen sind und eine Länge von etwa 12cm besitzen. 9cm befinden sich oberhalb des Kopfes, 2cm im Holz. Der Rest ragt 1cm aus dem Holz. Die Basis der Zinken ist ähnlich geformt wie ein Nagelkopf. Dass die Zinken ursprünglich 1cm auf der Unterseite des Kopfes herausragten ist eher unwahrscheinlich und ich vermute, dass das Holz durch das Feuer oder die Zeit im Boden schlichtweg geschrumpft ist. Die zweite Ansammlung besteht aus weiteren fünf Zinken und einem Stück Holz und ist etwa 3.2cm breit. Die dritte Ansammlung ist auf eine Art geformt, die vermuten lässt, dass die Kämme ursprünglich zwei oder sogar drei Zinkenreihen besaßen. Ob einer der Zinkensammlungen ursprünglich zu dem ersten Kamm gehörte, konnte nicht vollständig geklärt werden.


Ein Rekonstruktionsversuch

Vil hat sich daran gesetzt, diese Kämme nach bester Interpretaion nachzubauen. Für den Griff hat er - wie im Original - Lindenholz benutzt, für die Zinken aus Mangel an entsprechendem Material gezogenen und geschwärzten Metalldraht. Ob das Metallblech auf genau die Art, wie hier umgesetzt, um den Kopf geschlagen wurde, kann nur auf Grundlage der Abbildung aus der Veröffentlichung zu den Fyrkat-Funden nicht sicher gesagt werden. Die Maße entsprechen so gut wie möglich dem Original. Vil hat sich hier für eine doppelte Zinkenreihe entschieden. Wie oben bereits ausgeführt, ist nicht sicher, ob das Vorbild nur eine oder mehrere Reihen besaß.

Der erste Eindruck vom Arbeiten mit den Kämmen ist sehr positiv. Sie liegen gut in er Hand und sind nicht sonderlich schwer. Ein endgültigies Urteil kann aber natürlich erst dann getroffen werden, wenn schon viel, viel Wolle mit diesen Wollkämmen bearbeitet wurde.



Andere Artikel