So gelb, gelb, gelb blüht der Löwenzahn....

Hinreichend datierte Gräber finden

Eine umfassende Liste der Datierungen für die Birka-Gräber zu finden - das erwies sich als viel schwieriger als ich dachte und so wirklich erfolgreich war ich dabei nicht. Ich hätte eine Datierung in Arbmans Birka I erwartet, eine direkte Antwort darauf, ob ein Grab auf das 9. oder 10. Jahrhundert datiert war (vorzugsweise sogar etwas genauer), aber das scheint es nicht zu geben. Solche Datierungen habe ich in Geijers Birka III gefunden, aber da sie nur einige Gräber mit Textilresten betrachtete, bleibt das Bild unvollständig. Ich konnte keine Gräber aus "unserer" Datierung ohne Textilreste aufnehmen. Aber wenigstens habe ich ein paar.

Sich für eine Datierung entscheiden

Das ist immer ein Problem, egal welches Artefakt man betrachtet. Hat die Bestattete den Schmuck, welchen sie mit ins Grab bekam, ihr gesamtes Leben getragen oder wurde sie in Kleidung und Schmuck "des neuesten Trends" begraben? Haben Frauen ihre ovalen Schalenspangen gewechselt, wenn ein neuer Trend einsetzte, oder waren sie ihrem alten Stück immer treu, weil sie es zu einem besonderen Anlass bekommen hatten, wie zum Beispiel ihrer Hochzeit? Wenn ich etwa Ende 20 wäre und im Jahr 900 lebte, wäre ich vielleicht am Anfang bis Mitte des 10. Jahrhunderts gestorben. Wenn ich das eine Paar Schalenspangen, das ich zu meinen Lebzeiten getragen habe, zu Grabe getragen hätte, wäre es so etwas wie der Typ P 51 (der in Birka-Gräbern aus dem 10. Jahrhundert sehr verbreitet war) und folglich würde ich es jetzt, im Jahr 900, tragen. Aber wenn die Menschen mit der neuesten Mode begraben würden, hätte ich zu meinen Lebzeiten etwas anderes getragen, nämlich jene Schalenspangentypen, die in Gräbern aus der Zeit um 900 gefunden wurden. Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, welche der beiden Möglichkeiten "richtig" wäre. Was meine Wahl am Ende beeinflusst hat, ist etwas, das auch die Frauen in der Wikingerzeit beeinflusst haben wird (abgesehen von der Mode) und das ist persönlicher Geschmack. Ich mag die späteren Schalenspangen nicht so sehr, also entscheide ich mich für die früheren Typen.

Welche Schalenspangen wären nun relevant?

Nachdem wir uns für einen ungefähren Zeitraum entschieden haben, schauen wir nun, welche genauen Datierungen passen würden. Für all die Informationen über Schalenspangen in diesem blogpost habe ich die Arbeit von Ingmar Jansson, 1985, konsultiert (Jansson, Ingmar. Ovala spännbucklor: en studie av vikingatida standardsmycken med utgångspunkt från Björkö-fynden. I. Jansson, 1985).

Wenn ich im Jahr 900, in meinen späten 20ern, lebte, wäre ich im späten 9. Jahrhundert geboren worden. So manches aus diesem Jahrhundert hätte mich während des Erwachsen-Werdens sicherlich beeinflusst. Ich verwarf Gräber aus dem frühen 9. Jahrhundert in meiner Analyse, da dies die Zeit meiner Großmutter oder sogar Ur-Großmutter gewesen wäre. Einige Gräber, die nur auf "9. Jahrhundert" datiert waren, habe ich mir angesehen, da dies m.M.n. auch "spätes 9." bedeuten könnte. Aus dieser Zeit stammen vier ovale Schalenspangentypen: Der Vendel-/Übergangstyp (deutlich zu früh), P 27 A, Borre P 47 und fünf Subtypen von P 37. Datiert auf die Mitte des 9. Jahrhunderts (wenn meine Mutter eine junge Frau gewesen wäre), ist ein Grab mit Typ P 27 B. Es gibt fünf Gräber datiert auf "um 900" mit Typ P 42 und eines mit P 37. Sehen wir uns die beiden letzteren an.

Typen P 37 und P 42

P 37 war der häufigste Schalenspangentyp der Älteren Birkazeit, es gibt aber auch ein paar Funde aus der Jüngeren Birkazeit. Funde von Gussformen belegen, dass sie auf Gotland, aber auch in Birka hergestellt worden sind. Schalenspangen dieses Typs wurden in anderen Teilen des wikingerzeitlichen Schwedens sowie in Norwegen gefunden. Es gibt viele verschiedene Varianten, aber die allgemeine Struktur ist überall dieselbe: Sie sind aus einem Stück gefertigt, gegossen in Bronze und oft, aber nicht immer, vergoldet. Ein rhomboides "Netz" unterteilt die Oberfläche in mehrere Felder, die mit Greiftierornamentik ausgefüllt sind. Auf den Spangen konnten neun Knöpfe aus Weißmetall angebracht werden, aber diese sind nicht bei allen erhalten.

P 42-Spangen sind (fast) immer aus zwei Teilen gearbeitet, eine untere Schale und eine obere vergoldete, in durchbrochenem Muster gearbeitete. Die untere Schale wird von der oberen vollständig bedeckt. Die Dekoration ist der von P 37 sehr ähnlich: rhomboides "Netz", Greiftierornamentik, Knöpfe etc. . Von allen bis zur Mitte der 1980er bekannten Spangen dieses Types kommen etwa 2/3 aus Norwegen und 1/3 aus Mittelschweden. Fundkombinationen mit anderem Schmuck platzieren P 42 in die Jüngere Birkazeit, andere Faktoren deuten eher eine Datierung in die Ältere Birkazeit an, wodurch P 42 zu einer Art Übergangstyp wird. Die Arbeit zeugt von großer handwerklicher Kunst und die Menschen, die diese Schalenspangen trugen, gehörten sicher zur obersten sozialen Schicht ihrer Zeit. P 42-Spangen wurden vor allem in dem Gräberfeld Norr om Borg gefunden. Dieser Typ wurde auch an anderen Stellen des wikingerzeitlichen Schwedens gefunden, aus Norwegen kommen nur wenige Funde.

Die Entscheidung

P 42 scheint für die Zeit um 900 recht typisch zu sein, aber ich bin gerne mal ein wenig altmodisch. P 37 wirkt für mich also genau richtig. Das wäre auch nicht "falsch", da es aus der Zeit um 900 Funde von P 37 gibt. Die vergoldeten Oberschalen von P 42 sind ein wenig zu viel Prunk für mich. Ergo werde ich mich für ein schönes Paar P 37 entscheiden, welches immernoch ein ziemlicher Blickfang sein wird, wenn man bedenkt, wie schön polierte Bronze mit Weißmetallknöpfen sein kann. Es wäre zudem ein Typ, der im wikingerzeitlichen Birka recht häufig gewesen wäre.