"Vikingarnas tid" im schwedischen Fernsehen


Indigo...

Bevor wir aber ein erstes Mal Indigo direkt auf wertvollen, großen Stoffstücken färbten, machten wir eine kleine Probefärbung am ca. eine Woche davor. Das Rezept für die Flotte haben wir von Flinkhand übernommen, statt Hydrosulfit nahmen wir aber Natriumdithionit. Außerdem strebten wir ein helleres Waidblau an, weshalb wir statt der 20g nur 10g Indigo benutzt haben. Zum Färben hatten wir mehrere 60m-Stränge feines Wollgarn, einen 100g-Strang weißes und einen 100g-Strang naturbraunes Garn.

Zu unserer Überraschung mussten wir bald feststellen, dass der Farbstoff unsere Erwartungen übertrumpfte. Statt eines hellen Blaus bekamen wir direkt ein sehr kräftiges Blau. Außerdem wollten die folgenden Züge einfach nicht heller werden. Da wir den übrigen Farbstoff nicht verschwenden wollten, suchten wir nach Dingen, die wir in dem 15L-Topf zusätzlich färben konnten. Ein weiteres weißes und zwei natur-dunkelbraune Garne mussten herhalten sowie ein Leinen- und zwei Wollstoffstücke. So richtig aufgebraucht haben wir den Farbstoff damit noch immer nicht, aber wir wollten nicht all unser Material vor der eigentlichen Färbeaktion aufbrauchen. Die Stoffstücke sind leider etwas fleckig geworden, weil das Volumen zu klein war, um vernünftig zu rühren. Bei dem zweifarbig gewebten Diamantköper, der vorher schon ein bisschen gelb gefärbt war, fällt das noch am wenigsten auf.

Am Färbeevent hatten wir dann mehrere Meter Leinen, Wolle und Rohseide sowie einige Garne für die Indigo-Färbung bereit. Bei so viel mehr Stoff mussten wir schon mehr Indigo anrühren als bei der Probefärbung - statt 10g nahmen wir 20g. Der erste Zug, ein Stück Leinen, erhielt tatsächlich einen Farbston, wie wir ihn uns vorstellten. Als nächstes färbten wir ein 2x1.5m Stück Rautenköper aus Wolle. Dieser Zug gelang nicht nur fast fleckenfrei, der Wollstoff nahm die Farbe auch noch besser an als das Leinen, sodass wir ein sattes Royalblau erhielten. Dieser Stoff wurde schnell das Objekt der Begierde einiger Mitfärber.

Ein mehrere Meter langes Stück Rohseide zog dann so viel Farbstoff aus der Flotte, dass die folgenden Züge bedeutend heller wurden. Ein zweifarbig gewebter Diamantköper verwandelte sich in ein schönes Graublau, für die restlichen Garne und feinen Stoffe blieb dann nur noch ein Hauch von Farbe übrig. Einen Teil davon werden wir bei Gelegenheit wohl nochmal überfärben. Die Stoffe sind aber sehr fein und glatt (Kammgarn) und könnten als schöne Schleier mit sanftem Blauton an die Frau gebracht werden.


... Zwiebelschalen...

Mit den Zwiebelschalen haben wir ja schon reichlich Erfahrung, da ging es vor allem nur darum, das Feuer heiß zu halten und zu rühren. Für den ersten Zug hatten wir etwa 1100g zu färbende Wolle geplant, was etwa 770g Zwiebelschalen bedeutet hätte. Wir hatten etwa 850g Schalen gesammelt und beschlossen, nicht so geizig zu sein - alle Schalen kamen in den Pott. Ein feiner Gleichgrat-Köper und ein Wollstrang sind dadurch so orange geworden, dass man meinen könnte, wir hätten mit Krapp geschummelt. Der zweite Zug war dann schon etwas gemäßigter und das typische Zwiebel-Goldgelb kam schließlich beim 3. Zug. Zwei Tage nach dem eigentlichen Färbeevent hatten wir noch immer etwas Färbesud übrig, mit dem wir außerplanmäßig einen groben, grauen Gleichgratköper färbten.

... und eine Menge Arbeit

Man kann überrascht sein, wie viel Arbeit solch ein Färbetag tatsächlich ist. Wir begannen mit den Vorbereitungen gegen 10 Uhr morgens ("Zwiebelschalenwasser" heiß machen, Einweichen der Sachen, die wir färben wollten, Mischen der Chemikalien für das Indigobad etc.). Bald kamen auch all die Leute, die wir eingeladen hatten. Es scheint, dass wir nicht alles so gut vorbereitet haben, wie es hätte sein sollen - von Zeit zu Zeit gab es einige Verwirrung darüber, welchen Stoff wir als nächstes färben wollten, wo das Ding XY nun wieder war, wer was wann und wo machen sollte.

Glücklicherweise hat sich das nach einiger Zeit gelegt und jeder sah zumindest so aus, als hätte er etwas Produktives zu tun, z.B. das Rühren im Färbebad, helfen, die frisch gefärbten Indigo-Stoffe auszubreiten (was immer eine Menge Staunen auslöste, wenn sich ein quasi farbloser Stoff zu einem leuchtenen Blau verwandelte), mit dem Kind spielen, den Grill in Schach halten oder sich typischer deutscher Arbeit widmen: Mit einem Getränk in der Hand daneben stehen und die Arbeit der anderen sinnvoll (?) kommentieren.

Alles in allem hatten wir schöne Ergebnisse und einen tollen Tag. Danke an alle, die gekommen sind, um Ihre Zeit und Gedanken zu teilen und die frischen und glänzenden Farben zu genießen!