Terminplanung für 2016 Horde minus zwei

Die Zeit, wilde Pflanzen zum Wolle Färben zu sammeln, geht mit dem Jahr so langsam zu Ende. Bevor es aber an die nächsten Nähprojekte bei trüb-nassem Winterwetter geht, konnte ich aus dem Wald noch ein paar Färbepilze abgreifen.

Dabei handelte es sich um Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare und H. capnoides), die an morschen Baumstümpfen wuchsen. Karin Tegeler zufolge 1 färben Schwefelköpfe auf mit Kaltbeize vorgebeizter Wolle kräftig gelb (Kaltbeize oder Tonerdebeize kann statt Alaun verwendet werden). Für 100 Gramm Wolle sollen 200 Gramm getrocknete Pilze ausreichen.

Die “Ernte” im Wald ergab 300 Gramm frische Pilze, welche ich klein schnitt, eine Nacht einweichte, auskochte und dann abseihte. Die Pilzstücke gab ich in einem Leinenbeutel wieder in das Färbebad und säuerte die Flotte mit Essigessenz (ca. 800 ml auf 6-7 Liter) an. Beim Färben mit Schwefelköpfen sollte die Färbeflotte etwa einen pH von 3 haben 1 . Ich hatte den pH nicht gemessen, sondern hoffte einfach, dass es schon sauer genug würde. Als Testwolle sollte der 100 Gramm schwere Strang naturweiße Dochtwolle herhalten, welchen ich mir auf dem Adventon-Markt ertauscht hatte.

Das Ganze ließ ich dann einen Nachmittag lang bei 60 bis 90°C vor sich herbrodeln. Das Resultat ist ein helles goldgelb, welches beizeiten zu schönen Fäustlingen genadelt werden könnte.

Ob die Wikinger Pilze zum Färben von Textilien benutzten, ist mir nicht bekannt. Þóra Sharptooth hat die archäologischen Nachweise zusammengefasst, eine weitere sehr informative und scheinbar ebenso gut recherchierte Übersicht gibt Kristina Gundersen. Es werden sicher nachgewiesene Pflanzen, Hinweise auf Flechten und sogar Pflanzenläuse erwähnt. Von Pilzen ist jedoch nicht die Rede.

Da im Norden einige sehr gute Färbepilze wachsen 1 und das Wissen über die vielfältigen Ressourcen, die die Natur einem bietet, früher vermutlich sehr groß war, halte ich die Nutzung von Pilzen zum Färben für hinreichend wahrscheinlich. Wenn Pflanzen und Flechten bereits gängige Färbemittel darstellten, war der Schritt zu Pilzen vielleicht nicht weit.

Quellen

  1. : “Leitfaden zum Färben mit Pilzen”, Karin Tegeler, 2012; Bayerische Mykologische Gesellschaft e.V.