Der Sommer ist da: letzte Updates vor der großen Dänemark-Reise

"Jeder von ihnen wirft sich vor dem großen Götzenbild nieder und sagt zu ihm: - Oh mein Herr, ich bin aus einem fernen Land gekommen und ich habe so und so viele junge Sklavinnen und so und so viele Pelze dabei... - und so weiter, bis er alle Handelswaren aufgelistet hat, die er mitgebracht hat. [Dann fügt er hinzu:] - Ich habe dir dieses Geschenk gebracht - Dann geht er mit dem, was er bei sich hat, vor den Holzpfosten [und sagt:] - Ich möchte, dass du mir den Gefallen tust, mir einen Kaufmann zu schicken, der große Mengen von Dinaren und Dirhams hat und der alles kaufen wird, was ich will, und nicht mit mir über meinen Preis streitet. - Dann geht er fort.

Wenn er Schwierigkeiten hat zu verkaufen und sein Aufenthalt lang wird, kehrt er mit einem anderen Geschenk ein zweites und sogar ein drittes Mal zurück. Wenn er nicht bekommen kann, was er will, bringt er ein Geschenk für jedes der kleinen Götzen und bittet sie zu intervenieren und sagt: - Dies sind die Frauen, Töchter und Söhne unseres Herren. - So macht er seine Bitte an jedes Idol der Reihe nach weiter, bittet ihre Fürsprache und erniedrigt sich vor ihnen." 1

Hölzerne Götzen - die Archäologie dahinter

Der Brauch der Rus', hölzernen Idole zu opfern, wie von Ibn Fadlan oben beschrieben, war in den von den Wikingern beeinflussten geographischen Regionen eine gängige Praxis. In seinem Bericht beschreibt er weiter, wie sie später den Götzen aus Dankbarkeit Tiere opfern und die Köpfe der Tiere auf die langen Holzpfähle spießen. Einen ähnlichen Brauch beschreibt Ibrahim Ibn Ya'qub, als er 965 nach Haithabu/Schleswig reiste: "Sie versammeln sich zu einem religiösen Fest, um die Götter zu ehren, an welchem sie essen und trinken. Jene, die ein Tier opfern wollen, stellen einen Pfal vor ihrem Haus auf, an dem sie ein Stück des zu opfernden Tieres aufhängen[...]. Auf diese Weise kann jeder sehen, wie sie die Götter ehren wollen "1 . Drei kleine Holzfiguren aus dem Hafen von Haithabu und zwei aus der Siedlung wurden bei Ausgrabungen gefunden. Sie wurden als Spielzeug interpretiert, könnten aber auch kleine Idole sein, ähnlich denen in Nowgorod 2 .

Zwei schwache Pfostenlöcher im Kulthaus Tissø-Fuglegård 3, zwischen 850 und 950 datiert, wurden als Spuren von zwei hölzernen Idolen interpretiert. Das Holz selbst ist nicht erhalten, so dass wir nicht wissen, ob die Interpretation richtig ist und falls ja, welche Gottheiten dargestellt wurden, aber die Ähnlichkeit mit den drei von Adam von Bremen beschriebenden Götzenbildern Thor, Wodan (Odin) und Fricco (Frigg) aus dem Tempel von Gamla Uppsala im Jahr 1075 ist auffällig 3 .

Holzidole sind keine Erfindung der Wikingerzeit, sondern Teil einer langen heidnischen Tradition. In den 1960er Jahren wurde in einem ehemaligen Sumpf bei Forlev Nymølle, in der Nähe von Skanderborg in Dänemark, ein alter, durch die Keramik auf ca. 200-150 v. Chr. datierter Opferplatz gefunden 4 . (Datierung des Holzes nach C14-Methode: 180 v. Chr. Bis 70 n. Chr. 5 ). Unter vielen Tierknochen und einer großen Menge weißer Steine ​​fanden sie eine Holzfigur von 2,74 m Länge aus einer jungen Eiche. Der Baum war auf beiden Seiten mit einer Axt grob abgehacktund umgedreht worden, so dass die zwei Zweige die Beine bildeten. Ein kleiner Schnitt zwischen den Zweigen markiert das weibliche Geschlecht und beide Seiten der "Beine" wurden zu runden Hüften verarbeitet, weshalb die Figur als weibliches Idol interpretiert wurde. Im Jahr 1946 gab es in Rebild Skovhuse südlich von Ålborg einen weiteren Moorfund, der ein 1,05 m langes weibliches Holzidol lieferte, das mit C14-Methode in die späte Bronzezeit datiert wurde 5 . Die ursprüngliche Form des Baumes war nicht viel geändert worden. Eine Wulst nahe der Stelle, wo die Wurzeln gewesen wären, markiert die Form der Hüften. Der Kopf und der Hals sind herausgeschnitten, die Augen sind durch zwei Punkte geformt und die Wangen sind leicht abgeflacht, Brust und Rücken sind von der eigenen, nur leicht nachbetonten Form des Baumes gebildet. Das weibliche Geschlecht ist durch ein paar Schnitte in der Leistengegend gekennzeichnet. Vier horizontale Schnitte am Bauch sehen aus wie tiefe Falten - vielleicht Schwangerschaftsstreifen?

Ein anderes kleines (42cm) männliches Idol aus den Jahren zwischen 400 und 800 n. Chr.wWurde in den 1880er Jahren in einem Sumpf in Rude Eskildstrup, Dänemark gefunden 6 . In den 1880er Jahren wurde auch eine phallische anthropomorphe Figur aus Eiche in der Nähe von Broddenbjerg gefunden, die auf den Beginn der späten Bronzezeit datiert wurde 5 . Sie besteht aus einem Astzweig, wobei zwei Zweige die Beine bilden und ein dritter einen sehr langen erigierten Penis bildet. Das Gesicht mit Augenbrauen, Nase und Bart ist das einzige klar geformte Merkmal. Ein "Bein" war abgehackt worden, während das andere zugespitzt worden war, so dass es möglicherweise in das Moor oder den See gesteckt wurde. Etwas Harz wurde ca. 11cm um die Basis des Phallus entdeckt.

Aus dem Aukamper Moor bei Braak in Holstein stammen zwei hölzerne Idole von ca. 3 m Länge, die einen Mann und eine Frau darstellen 5 . Die Frau ist etwas kleiner als der Mann und reicht bis zu seinen Schultern. Auch sie waren aus Eiche. Wie bei anderen oben erwähnten Idolen haben sie keine Arme, aber das Geschlecht der jeweiligen Figuren wird sehr deutlich gemacht, da der Mann einen Penis und die Frau eine Vulva und Brüste hat. Die Gesichter sind auf einfache Weise ausgearbeitet, geben ihnen aber dennoch deutliche Gesichtszüge. Das Gesicht der Frau ist etwas rundlicher und die Nase flacher. Sie wurde mit der C14-Methode um 405-261 v. Chr. (Vorrömische Eisenzeit) datiert, während der Mann mit der C14-Methode auf 399-207 v. Chr. (auch vorrömische Eisenzeit) datiert wurde.

Moderne Anwendung

Während wir dieses Jahr (2018) in Trelleborg und Moesgård waren, haben Loki's Freemen hölzerne Idole ähnlich denen von Forlev Nymølle und dem Aukamper Moor gebaut (in Moesgård haben wir sogar an diesem Projekt teilgenommen). Wenn man diese Figuren nachbaut und sie hoch über sich selbst stehen sieht, kommt die Frage auf, was die Leute wohl früher in ihnen gesehen haben. Waren sie "nur" Darstellungen gewöhnlicher Gottheiten, Symbole einer weitverbreiteten Religion? Wenn ein Reisender vorbeikam, hätte er oder sie in den hölzernen Gesichtern denselben Gott oder dieselbe Göttin gesehen wie die dort lebenden Menschen? Oder war es etwas viel Persönlicheres, waren die Idole Teil der lokalen Gemeinschaft, waren sie in lokale Feste integriert, nicht nur um sie um Segen und Erfolg zu bitten, sondern auch, weil sie für manche wie alte Freunde waren?

Wir werden es nie sicher wissen. Aber eines ist klar: Es liegt etwas Magisches in ihnen. Selbst die skeptischste Person kann ihren Blick vermutlich nicht einfach abwenden, sich den zeitlosen Gesichtern nicht entziehen. Besucher am Strand in Moeasgård waren offensichtlich von ihnen fasziniert. Und die Wikinger des Moesgård Vikingetræf hauchten ihnen prompt Leben ein: Die Figuren wurden verheiratet, sie wurden mit Bändern, Perlen, Blumen und Früchten dekoriert. Während der Mondfinsternis fand ein Ritual statt. Und als das Festival zu Ende ging - die Götzen standen noch immer groß am Strand - kamen einige, um sich zu verabschieden und sinnierten, wie lange sie noch stehen würden, bis Meer und Sturm sie in ihre Arme zwingen.

Die hölzernen Götzen zu bauen war nicht die Arbeit einer Person, sondern die einer Gemeinschaft, einer Gruppe von Freunden. Leute kamen für sie zusammen. Es wurde nicht viel geredet, nicht viel diskutiert, da jeder wusste, was zu tun war. Es war ein Gemeinschaftsprojekt, und dieses Gemeinschaftsgefühl, zusammen zu arbeiten und zu bleiben, auch nachdem es zu dunkel war, um zu sehen, was Messer und Axt taten, wurde Teil der Seele dieser Holzfiguren. So etwas sieht man nicht, wenn man Moorfunde alter Zeiten studiert. Dies ist ein Teil unserer Geschichte, die gelebt werden muss, um zu versuchen, sie zu verstehen.


Literatur

  1. Faḍlān, Aḥmad Ibn. "Ibn Fadlan and the land of Darkness: Arab travellers in the Far North". Penguin UK, 2012.
  2. Westphal, Florian. Die Holzfunde von Haithabu. Wachholtz, 2007.
  3. Wamers, Egon (Hrsg.), "Odin, Thor and Freyja - Skandinavische Kultplätze des 1. Jahrtausends n. Chr. und das Frankenreich", Archäologisches Museum Fankfurt, 2017.
  4. Gudinden ved Forlev Nymølle, http://www.skanderborgleksikon.dk/index.php/Gudinden_ved_Forlev_Nym%C3%B8lle, August 2018
  5. Ebbesen, Klaus, "En gudindestatue fra bronzealderen - fundet i Rebild", Fra Himmerland og Kjær Herred, 2011, pp. 33-42
  6. Træmanden fra Rude Eskilstrup, https://natmus.dk/historisk-viden/danmark/oldtid-indtil-aar-1050/yngre-jernalder-400-800/guder-i-jernalderen/traemanden-fra-rude-eskildstrup/, August 2018


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