Wikingerfest Adventon Walnussfärbung

Die Anreise

Im Gegensatz zu den anderen Märkten dieses Jahr, wo Lagerleben und Handwerk im Vordergrund standen, wussten wir nicht recht, worauf wir uns bei dieser Sport-Großveranstaltung einstellen sollten. Eine eingeschworene, elitäre Kriegergemeinschaft, wo man nur nach viel Training so etwas wie persönliche Anerkennung erarbeiten kann? Eine Veranstaltung, wo sich alle den ganzen Tag lang prügeln und wo man als Handwerker/Händler/einfaches Lager nur eine unwesentliche Randerscheinung ist? Die “Unsicherheit” verstärkte sich für Ása und Víl noch dadurch, dass unser einziger angemeldeter Kämpfer HárukR aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen musste. Die Grundstimmung am Anreisetag (Freitag) verbesserte sich nicht gerade dadurch, dass wir um vier Uhr aufstehen und dann sechs Stunden mit 80km/h durch die Landschaft gurken durften, mit dem Wissen, dass die ganze Kämpferschaft schon am Vortag aufgebaut hatte. Zu allem Überfluss hatte uns die letzte E-Mail des Veranstalters nicht erreicht und die Info, dass wir erst ab 13 Uhr aufbauen sollten, wurde uns also erst bei Ankunft um 11 Uhr mitgeteilt. Also Warten. Zum Glück bekamen wir aber nach einer halben Stunde bereits unseren Lagerplatz zugewiesen, am Ende der “Händlermeile”. An sich schön gelegen und mit direkter Sicht auf das Schlachtfeld, aber leider auch neben einer GroMi-Gruppe, die das ganze frühmittelalterliche Flair des Marktes an der Ecke nachhaltig gestört hat. Nächstes Jahr also ab auf die Kämpferwiese oder gar nicht hin, mal sehen wie die Marktplanung insgesamt so aussieht.

Der Aufbau

Der Aufbau unseres Lagers gestaltete sich zum Glück unkompliziert und als dann endlich ein Lagerfeuer brannte, war das kalte, etwas nieselige Wetter auch bald in die Irrelevanz verbannt. Nicht ganz unbeteiligt daran waren unsere neuen Kaputzen (Artikel folgt). Den Nachmittag verbrachten wir mit Einräumen unseres “Zweithaushaltes” (unglaublich, wieviel Gerödel man auf so einen Markt mitschleppt), Heranschaffen von Brennholz und dem Kochen einer leckeren Bohnenmahlzeit. Bald schon wurde es dunkel und wir taten das, was alle anderen auch taten: Bier schnappen und in Richtung Innenhof gehen, um dieses unter Beisein anderer netter Leute ordnungsgemäß zu vernichten. Hier zeigte sich dann auch schnell der wahre Geist der HIKG : International, unkompliziert und offen. Manch ein Bier wurde zusammen mit Iren, Norwegern, Dänen, Niederländern und dem einen oder anderen englisch sprechenden Deutschen (peinlicherweise die Ausnahme) verzehrt, Geschichten erzählt, Erfahrungen ausgetauscht, immer wieder Vorurteile abgebaut und manch eine herzliche Einladung ausgesprochen. Und so wurde es spät und später, bis alle es für vernünftiger hielten, das Lager aufzusuchen, um morgen wieder kämpfen zu können. Fazit an dieser Stelle: Allein dieser Abend war die Anreise allemal wert.

Das Lager

Der Samstag begann mit Nebel und auch der Sonntagmorgen deutete auf eine kalte Nacht hin, aber unser Bett (siehe: Zelt ) war so muckelig-warm wie noch nie — natürlich ohne Zeltheizung und modernem Schnickschnack wie Schlafsack oder Isomatte. Nachdem das Feuer brannte, der Kaffee kochte und wir noch nicht einmal mit unserem Frühstück fertig waren, zeigte sich bald die Sonne und kurz danach auch die ersten Besucher. Viele waren es nicht, aber das eigentliche Highlight, die große Schlacht selbst, sollte ja erst um jeweils 15 Uhr stattfinden. Die Zeit bis dahin verbrachten wir selbst mit unseren Marktprojekten, etwas Einkaufsbummelei und Austausch mit unseren Händler-Nachbarn, während drüben neben dem Kämpferlager schon trainiert wurde. Nebenbei köchelte schon unser Abendessen, dessen Vorbereitung doch immer wieder mehr Zeit in Anspruch nimmt, als uns lieb wäre (von wegen “die Wikinger hatten im Winter viel Zeit für schicke Schnitzereien und Stickereien”!).

Auch wenn wir auf der Händlermeile in die hinterste Ecke verbannt wurden und viele Besucher schon 5-10 Meter vor unserem Lager wieder kehrtmachten, so gab es dennoch eine angenehme Anzahl Interessierter, denen wir unser Handwerk näher bringen konnten. Die letzten noch verkäuflichen von Ása genadelten Wollmützen wechselten für einen angemessenen Preis den Besitzer und etwas gefärbtes Wollgarn und einige unserer Färbesets (Eiche + Zwiebel) konnten wir loswerden. Wider Erwarten war dies tatsächlich der erste Markt, wo die Sprittkosten der An- und Abreise gedeckt waren.

Die große Schlacht

Wir hatten von unserem Lager aus eine schöne Aussicht auf das Schlachtfeld und konnten somit beinahe hautnah miterleben, wie sich 250 Krieger 5 Runden lang prügelten. Zu sehen, wie ordentlich zusammen trainierte Kämpfer in zwei Armeen aufeinandertreffen und auch mal taktische Manöver für den Zuschauer glaubwürdig rüberbringen können, war eine willkommene Abwechslung zum üblichen “20 Krieger stellen eine epische Schlacht nach”-Gedengel unserer bisherigen Märkte. Das Verhältnis Zuschauer:Kämpfer war in etwa 1:1, was wiederum klar zeigte, dass diese Veranstaltung in erster Linie für die Aktiven, nicht das Publikum ausgelegt war.

Nächstes Jahr wird mitgekämpft! Aber zuerst kommt die Winterpause…