Februar-Þing, Horde plus zwei Artikel zu Schalenspangen

Wochen hat es gedauert und viele Stunden Arbeit gekostet: die Schweinehaut nimmt Form an. Viele Kilogramm Fett und einiges, was man getrost als Lecker Speck bezeichnen dürfte, ist weggeschnitten und -geschabt worden. Übrig geblieben ist die weitgehend saubere Lederhaut mit Fell. Da die Haut an sich schon sehr fetthaltig war, entschied ich mich dafür, die Haut ohne Einbringen von zusätzlicher Eiweiß-Emulgator-Fett-Masse zu räuchern, um möglichst bald eine Konservierung zu erreichen. Manch eine Anleitung in den Weiten des Internetzes schlagen an dieser Stelle vor, die zu räuchernde Haut mit der Fleischseite nach innnen zu einer Röhre zusammenzunähen und für einige Stunden über ein qualmendes Schwelfeuer zu hängen. Bei diesem riesigen Lederlappen und dem andauernden Regenwetter entschied ich mich aber dafür, die Haut auf einen großen Holzrahmen aufzuspannen und mit einer gehelfsmäßigen Konstruktion aus Bogen-Zielscheibenständer und Mauer relativ weit über dem Boden so zu platzieren, dass darunter der Smoker-Grill Platz hat. Zuvor mussten allerdings diverse Löcher mit stabilem Leinengarn zugenäht werden (da wo vorher mal die Ohren waren sowie das Ausschussloch). Mit Planen wurde das ganze rundherum verschlossen und mit glühender Holzkohle und feuchten Buchenhobelspänen ordentlich Rauch produziert. Trotz der sorgfältig angebrachten Planen qualmte die Konstruktion die Nachbarschaft voll, aber keiner der Nachbarn wagte es, sich zu beschweren. Bei dem kühlen Regenwetter hatten wohl alle die Fenster zu und keine Lust, raus zu gehen.

Die erste Räucher-Session dauerte einen ganzen Sonntagnachmittag. Der Rauch sorgte am Ende dafür, dass es zu deutlichen Farbveränderungen sowohl auf der Fleisch- als auch auf der Fellseite kam. Wider meiner Hoffnung blieb die Haut allerdings sehr feucht, was bei der Menge an Wasser in den Buchenspänen aber eigentlich niemanden verwundern sollte. Lange nach Einbruch der Dunkelheit brach ich das Räuchern ab und einige Tage später wurde die ganze Aktion wiederholt, bei immer noch anhaltendem Regenwetter. Insgesamt dürfte die Räucherdauer bei über 10 Stunden liegen, das nächste Fell wird aber mehr bekommen. Dann allerdings bei trockenerem, wärmerem Wetter.
Nach dem Räuchern brachten wir die aufgespannte Haut zum Trocknen rein, was für einen lange anhaltenden Räucherspeckgeruch im Wintergarten sorgte. Durch das kalte Wetter, die mangelnde Ventilation und dem vermutlich immer noch hohen Salzgehalt auf und in der Haut dauerte das Trocknen sehr lange. Zwischendurch schabte ich an den angetrocknenten Stellen weitere Bindegewebereste mit einem scharfem Messer ab; eine sehr mühselige Arbeit, für die ich mir das nächste Mal ein ordentliches Halbmondmesser zulegen werde.

Da manche Stellen mittlerweile eine beinahe pergamentartige Konsistenz annahmen, entschied ich mich dieses Wochenende dafür, das Schwein aus dem Spannrahmen zu nehmen und unter der Dusche mit warmem Wasser und Kernseife ordentlich zu waschen. Die dabei heruntergewaschene Brühe (Bestandteile: Rauch, Fett, Staub, Bindegewebereste, Borsten). werde ich an dieser Stelle nicht näher beschreiben. Auf jeden Fall war der Räucherspeck-Geruch nach der Dusche deutlich reduziert und das ganze fühte sich irgendwie hygienischer an. Also auf zum vorerst letzten Verarbeitungsschritt!
Einige weiße Stellen mussten nochmals weiter abgekratzt werden (“weiß” = fetthaltig) und nach leichtem Antrocknen sollte die Fleischseite jetzt so behandelt werden, dass nicht jedes Bisschen Feuchtigkeit wieder zu “Glibber-Feeling” führt. Mein Mittel der Wahl war hier großzügig aufgetragene, auf Bienenwachs basierende Lederpflegecreme. Diese darf im Laufe der nächsten Tage einziehen (stellenweise wird mit dem Föhn nachgeholfen) und nach und nach die Restfeuchtigkeit ersetzen. Zwischendurch bewege und dehne ich die Haut da, wo sie zu hart zu werden droht, die Kollagenfasern also verleimen. Allzuviel Walkerei werde ich aber nicht reinstecken, da es kein weiches Wildleder, sondern lediglich ein Bodenbedecker-Fell werden soll, ruhig also etwas steifer bleiben darf.

Sobald die Haut durchgetrocknet ist, werde ich die unschönen, teilweise noch immer mit “mehr als Leder” behafteten Ränder abschneiden und den Bettvorleger (oder so) in Form bringen. Bislang bin ich zuversichtlich, dass das Endresultat ausgesprochen akzeptabel ausfallen wird. Dennoch wird das nächste Fell-Projekt hoffentlich eher in Richtung Reh gehen, dann aber mit ordentlicher Sämischgerbung. Je nach dem, wie Bjarkars Jagderfolg und Motivation ausfallen, werden wir uns vielleicht auch mal an eine vegetabile Lohngerbung heranwagen, aber das ist eher ein Projekt für die nächste winterliche Jagdsaison a.k.a nächstes Jahr.